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 „3-Bein“ – ein Projekt zur Bekämpfung der Wildunfälle im Stadt- und Landkreis Heilbronn


Nach längerer Unterbrechung müssen seit dem Jahre 2006 wieder alle Wildunfälle polizeilich aufgenommen werden. Wenn auch die Vergleichszahlen aus den Jahren davor fehlen, sieht sich die Polizei seither mit zwar langsam, aber stetig steigenden Wildunfallzahlen konfrontiert. Allein 2006/2007 wurden nach Angaben des Kreisjagdamts Heilbronn bei Unfällen im Stadt- und Landkreis 1232 Tiere getötet.
Nicht immer geht eine Kollision mit Wild für den unfallbeteiligten Fahrzeuginsassen glimpflich ab. Immer wieder gibt es dabei Leicht- oder Schwerverletzte. Ein Wildunfall im Revierbereich Eppingen forderte im Jahr 2004 sogar ein Menschenleben.
Das statistische Landesamt registrierte 2007 acht leichtverletzte Personen im Landkreis Heilbronn.  Im vergangenen Jahr  wurden zwar „nur“ fünf Menschen leicht verletzt, trotzdem nahmen die Wildunfälle aber weiter zu: Zählte die Polizei im Jahr 2007 noch 262 Wildunfälle auf den Straßen des Landreises und 12 weitere im Stadtkreis, so stiegen die Zahlen ein Jahr später auf 397 Wildunfälle bzw. 20 an. Die tatsächlichen Zahlen dürften jedoch wesentlich höher liegen. Die Bilanz der  Polizei weicht deshalb von diesen Zahlen deutlich nach unten ab, weil längst nicht alle Wildunfälle angezeigt oder von den Ordnungshütern aufgenommen werden. Gerade im ländlichen Raum, wo man sich kennt, erfolgt die Schadensregulierung häufig ohne Polizei. Fachleute schätzen deshalb die Dunkelziffer mindestens doppelt so hoch ein.
In drei Streckenbereichen kam es im vergangenen Jahr zu einer solchen Häufung von Wildunfällen, dass die Polizei dort von „Unfallschwerpunkten“ spricht. Es handelt sich um die Kreisstraßen zwischen Bad Rappenau-Grombach und Obergimpern, zwischen Neckarwestheim und Pfahlhof sowie um die Strecke zwischen Brackenheim und Haberschlacht.
Eine weitere Zahl stimmt nachdenklich: Der aus Wildunfällen resultierende volkswirtschaftliche Schaden in der Bundesrepublik  Deutschland betrug allein im Jahr 2007  knapp 490 Millionen €.

Handlungsbedarf ist geboten

Die Zahl der Wildunfälle hat sich auf hohem Niveau eingependelt. Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf, um das Risiko von Personen- und Sachschäden möglichst zu reduzieren, aber auch mit dem Ziel, die Tiere als Lebewesen zu schützen. Leider führten die bisher getroffenen Maßnahmen (noch) nicht zu dem gewünschten Erfolg, obwohl schon die unterschiedlichsten Aktivitäten ergriffen wurden wie z.B. Duftzäune, das Aufstellen von Verkehrszeichen 142 („Wildwechsel“), das Anbringen von Reflektoren an den Straßenbegrenzungspfählen oder das nicht unproblematische Aufhängen von reflektierenden CDs.

Wie läuft das Projekt „3-Bein“ ab?

Das Konzept setzt sozusagen beim Menschen an: Von 01.7.2009 – 30.6.2010 wird an jeder Unfallstelle mit Wildbeteiligung von dem zuständigen Jagdpächter in Absprache mit der örtlichen Straßenmeisterei am Straßenrand ein „3-Bein“ als eine Art Mahnmal aufgestellt. Jedes „3-Bein“ symbolisiert also einen Verkehrsunfall, der während dieser Zeit an der betreffenden Stelle passiert ist. In Streckenabschnitten mit Unfallhäufungen können durchaus auch mehrere dieser Gestelle aufgestellt sein. Somit wird das Wildunfallgeschehen direkt auf der Straße abgebildet und ist damit für jeden Verkehrsteilnehmer sichtbar und nachvollziehbar. Ein „3-Bein“ besteht aus drei armdicken Stäben, die jeweils ungefähr einen Meter lang, signalfarben (gelb) angestrichen und  oben zusammengebunden oder zusammengenagelt sind. 

Die Initiatoren hoffen, dass bei den Verkehrsteilnehmern angesichts eines solchen „3-Beins“ sozusagen die Alarmglocken schrillen: “Genau hier hat sich erst vor kurzem ein Wildunfall ereignet. Wer weiß, ob nicht erneut ein Tier plötzlich die Fahrbahn betritt. Ich fahre vorsichtshalber mal etwas langsamer….“
Noch einmal: Der Ansatzpunkt besteht bei diesem Projekt nicht darin, Einfluss auf das Verhalten des Wildes zu nehmen, wie etwa durch das Anbringen von Reflektoren oder Duftzäunen. Mit dieser Konzeption sollen vielmehr die Verkehrsteilnehmer dazu gebracht werden, beim Erkennen eines Dreibeins ihre Fahrgeschwindigkeit zu verringern. Wie neuere Forschungen ergaben, kann das Wild Fahrzeuge, die sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h annähern, durchaus als Gefahrenquelle erkennen und darauf reagieren.
Unabdingbar für den Erfolg des Projekts „3-Bein“ ist eine aufwändige, begleitende Öffentlichkeitskampagne in den Medien. Nur wenn wirklich alle Verkehrsteilnehmer wissen, welchen Sinn diese  Dreibeine haben und wofür sie stehen, hat das Projekt reelle Erfolgsaussichten. Nach einer einjährigen Probephase ist eine Erfolgskontrolle vorgesehen. Dann wird sich zeigen, ob die Zahl der Unfälle auf den ausgewählten Strecken weiter angestiegen ist oder eingedämmt werden konnte.

Aktion „3-Bein“ ist in Niedersachsen bereits ein großer Erfolg

In Niedersachsen läuft das Projekt schon seit zwei Jahren sehr erfolgreich. Nachdem auch dort eine ganze Reihe anderer Maßnahmen ausgeschöpft worden waren, ohne dass die Fallzahlen zurückgingen, suchte man nach neuen Wegen. In Kooperation aller zuständigen Behörden und vor allem dank der Unterstützung der dortigen Jagdpächter entstand das Projekt  „3-Bein“ in den drei Landkreisen  Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen.  Die bislang bundesweit einmalige Aktion läuft dort unter der Bezeichnung  „Wild unterwegs, drei Beine – drei Landkreise“ und führte zu einer deutlichen Reduzierung von Wildunfällen und den daraus resultierenden Schäden. Auf Grund der guten Erfahrungen in Niedersachsen haben sich die PD Heilbronn, das LRA Heilbronn und die Kreisjägerschaft auf eine Durchführung dieses Pilotprojekts verständigt. Aus versicherungstechnischen Gründen ist das Pilotprojekt zunächst auf Kreisstraßen beschränkt. Die Erprobungsphase beginnt am 1. Juli 2009 und dauert bis 30. Juni 2010. In einem Pressegespräch am 10. Juni 2009 wird die Aktion erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Ausgewählte Versuchsstrecken

  • Aus haftungsrechtlichen Gründen wird das Projekt ausschließlich auf Kreisstraßen durchgeführt. Wenn die Aufstellung der „3Beine“ in Absprache mit der zuständigen Straßenmeisterei erfolgt, dann ist diese Maßnahme durch die Versicherung des LRA Heilbronn abgedeckt.
  • Folgende Streckenabschnitte wurden für das Projekt ausgewählt:

              1.  K 2023:   Möckmühl – Korb
  2.  K 2155:   Talheim – Waldkreuzung – Untergruppenbach
  3.  K 2064/2065:  Brackenheim (Abzweigung L 1107)  – Haberschlacht – Niederhofen
  4.  K 2043:  Grombach – Oberbiegelhof – Obergimpern
  5.  K 2151:  Schwaigern – Neipperg

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