Reger Besucherandrang herrschte am Donnerstagabend gegen 19.00 Uhr im Seminarraum der AOK-Geschäftsstelle in Heilbronn. Dort fand die Auftaktveranstaltung für ein neues Präventionsprojekt statt, welches die Intensivierung des kindlichen Opferschutzes zum Ziel hatte. Die Aktion „Schauen Sie hin…., ein Kind schreit!“ richtet sich gegen Gewalt als Bestandteil der Erziehung und gegen die Vernachlässigung von Kindern.
Nach einer kurzen Ansprache durch Frau Ute Eichler von der AOK Heilbronn, begrüßte Roland Eisele, Leiter der Polizeidirektion Heilbronn, alle anwesenden Gäste. Ein so wichtiges Thema, erfordere einfach die Mitwirkung von Experten, so Eisele weiter. Neben den Teilnehmern an der Podiumsdiskussion wie Prof. Adolf Gallwitz, Psychologe und Dozent an der Fachhochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen, dem Heilbronner (Opfer-)Rechtsanwalt Tobias Göbel, Dr. Karl Pölzelbauer vom Klinikum Heilbronn, Frau Tanja Haberzettl als Leiterin der AG Kinderschutz und Kriminalhauptkommissar Dieter Ackermann/Leiter des Jugenddezernates bei der Heilbronner Kriminalpolizei begrüsste er den früheren Leiter des Polizeireviers Heilbronn und jetzigen Chef der Landes- und Bundesprävention Andreas Mayer vom Landeskriminalamt. Die Moderation an diesem Abend übernahm Wolfgang Köhler vom SWR-Frankenradio Heilbronn. Bereits durch Andreas Mayer wurden bei der Lagedarstellung erschreckende Zahlen genannt. So gibt es bundesweit jährlich über 4.000 Fälle, in denen Kinder innerhalb der Familie misshandelt werden bzw. dort Gewalttätigkeiten ausgesetzt sind. Problematisch ist die um ein vielfaches höher liegende Zahl der Dunkelziffer, also all jene Delikte, die nicht bekannt werden und wo die Betroffenen unerkannt ihre Leiden erdulden müssen. Nach dem anschließenden, sehr informativen Impulsreferat von Prof. Adolf Gallwitz war die Betroffenheit aller Anwesenden im Raum deutlich spürbar. Bei der nachfolgenden Podiumsdiskussion war man sich einig, dass das Projekt „Schauen Sie hin…., ein Kind schreit“ nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn im Zusammenwirken möglichst vieler beteiligten Stellen, im Sinne eines gemeinsamen Netzwerkes, diese Problematik innerhalb der Bevölkerung viel mehr als bisher ins Bewusstsein gerückt wird. Einmal mehr wurde an dieser Stelle die schon häufig genannte „Zivilcourage“ eingefordert. Etwaige Bedenken, durch Meldungen oder Informationen an die Polizei oder andere im Kinder- und Jugendschutz tätige Stellen als Denunziant angesehen zu werden, konnte Dieter Ackermann rasch zerstreuen. Zunächst gehe es weniger um die Fertigung einer Anzeige, als vielmehr darum, das Dunkelfeld zu erhellen und Klarheit in der Sache zu erlangen, letztendlich immer mit dem Ziel, betroffenen Kindern zu helfen, so Ackermann. Um es allen möglichen Hinweisgebern zu ermöglichen, diesbezügliche Erkenntnisse und Beobachtungen zu melden ohne sich gleich an die Polizei zu wenden, wurde bei der Kinderklinik Heilbronn ein Hinweistelefon eingerichtet. Durch dieses Telefon mit der Nummer 07131 / 493702 wird ermöglicht, dass zunächst ohne die Einschaltung der staatlichen Strafverfolgungsorgane die geeigneten Maßnahmen ergriffen werden können, um Kindern in familiärer Not zu helfen. Bevor die Veranstaltung gegen 21.00 Uhr zu Ende ging waren sich alle Beteiligten einig, dass das Projekt in jedem Fall langfristig betrachtet werden muss. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass bereits nach einem Jahr Bilanz gezogen werden kann, sondern muss in jedem Fall als Projekt in die Zukunft betrachtet werden.